Hilfe, ich bin abhängig

In den letzten Tagen musste ich mich selbst einmal hinterfragen und erschreckend feststellen: ich bin ein Sklave geworden; ein Abhängiger der Technik. Telefon, Handy, Internet und alles was damit zu tun hat bekommt zeitgleich mit den ständig größer werdenden Möglichkeiten einen immer größeren Stand zugesprochen.
E-Mails sind nicht mehr nur an das lokale, standfeste Gerät in den eigenen vier Wänden gefangen und warten geduldig bis zum Abend darauf abgerufen zu werden. Man empfängt und bearbeitet diese beim warten auf den Bus oder in der Mittagspause im Café. Nachrichten und Informationen sind durch iPhone und Co allgegenwärtig und ständig kann man auf dem laufenden sein, was in der Welt oder in der Welt seiner Freunde passiert. Sobald einer der Freunde einen Schnupfen bekommt, weiß man es Minuten später. Facebook oder meinVZ sei Dank kann man gleich Tipps geben oder die anstehende Party umverlegen.
Gleichzeitig wird die Welt wieder ein Stück kleiner. Freunde, Familienmitglieder und Bekannte die in anderen Teilen der Welt leben sind ein Teil des täglichen Lebens geworden. Neuigkeiten, gute wie auch weniger erfreuliche sind trotz tausender Kilometer Entfernung kein Problem mehr.
Andererseits bezeichnet man Leute, die man nur aus dem Internet kennt und noch nie persönlich getroffen hat, mehr oder weniger als Freunde, nimmt bis zu einem gewissen Grad an ihrem Leben teil. Es entwickeln sich auch richtige Freundschaften daraus, die den Sprung in das reale Leben geschaffen. Welch kleine Welt oder eher größere eigene Umgebung?

Das Handy ist mitunter morgens das erste was man in die Hand nimmt, selbst wenn es nur aus dem Grund geschieht, den Wecker auszuschalten. Danach begleitet das Handy einen den ganzen Tag und übernimmt den Posten des Informationsmanagers geflissentlich bis es spät Abends wieder dort abgelegt wird, wo man es am Morgen weggenommen hatte. Mir selber ist es schon passiert, dass ich den PIN nicht mehr kannte und auch nicht mehr wusste wo ich den PUK abgelegt hatte. Eine mittlere Katastrophe wenn das Handy sich doch einmal wegen Akkuschwäche ausschaltet. Mein Handy ist quasi immer an und immer dort wo ich aufhalte.
Das ist allerdings nicht gleichzusetzen mit einer ständigen Erreichbarkeit.
Noch entscheide ich, ob und welche Gespräche ich entgegen nehme. In Zeiten des GeoTaggings bin ich wie viele andere wahrscheinlich auch, der optimale Kandidat für Bewegungsrasterdiagramme.
Die permanente Nachvollziehbarkeit des eigenen Standorts ist ohne Frage ein Eingriff in die Intimsphäre der Nutzer, bietet aber auf der anderen Seite auch hilfreiches wenn es nach den Werbeträgern geht. Diese können bei einer Suche eines Produkts mit den nötigen Kenntnissen des Aufenthaltsortes gleichsam den Supermarkt um die Ecke anpreisen. Möchte man das? Zum Teil ja, weil es in diesem Moment hilft. In der übrigen Zeit muss ich diese Kontrolle nicht haben. 1986 von George Orwell war eine Fiktion; heute schon Real geworden. (Jeder der solche Geschichten mag, sollte dieses Buch einmal lesen.)

Auch vor dem Auto macht die Technik nicht halt und in Zeiten, in denen Navigationsgeräte immer günstiger und besser werden, fahren manche schon nicht mehr ohne entsprechend wegweisende Angaben zum Supermarkt vier Straßen weiter. Sicher, Navigationsgeräte oder Programme auf dem Mobiltelefon sind eine unglaublich praktische Sache wenn man eine unbekannte Strecke fährt oder sein Ziel in einem fremden Ort sucht. Zum Teil machen sie auch im eigenen Ort durchaus Sinn. Man kann schließlich nicht jede Straße kennen 😉
Gleichsam versetzt man sein Auto auch in eine mobile Kommunikationskanzel in dem sich das Handy nach dem einsteigen mit dem Auto verbindet. Angenehmes und sicheres Telefonieren ist eine gute Sache und das mitführen der heimischen Musiksammlung ist schließlich auch nicht zu verachten.

Die Technik bestimmt unser Leben.
Man selber hat zwar immer die Möglichkeit selber zu entscheiden welche Informationen zu welchem Zeitpunkt einen erreichen sollen, sei es nun ein Telefonanruf wo das Telefon neben einem klingelt oder die Verfolgung von Statusmeldungen, Newstickern etc.
Eine Auszeit, wenn auch nur im begrenzten Rahmen ist immer möglich. Den Fernseher mal ausgeschaltet lassen und ein Buch lesen; die eigene Vorstellungskraft und Fantasie wieder anregend ist eine schöne Sache. Der Außenwelt kurzeitig zu entfliehen ist für mich sehr wichtig, auch wenn ich ansonsten von der Technik abhängig bin oder mache 😉

Das ließe sich noch viel weiter und tiefer ausarbeiten, aber das kam mir gerade in den Sinn.

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